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 Tillschneider: Kritik an den Islamwissenschaften

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Lotte




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BeitragVerfasst am: 07.06.2013 22:54    Tillschneider: Kritik an den Islamwissenschaften Antworten mit ZitatNach oben

Der Islamwissenschaftler Dr. Hans-Thomas Tillschneider hat kritisiert, wie die Islamwissenschaften an manchen Universitäten ausgerichtet sind.

So wirft er unter anderem dem Inhaber des Lehrstuhls in Münster, Mouchanad Khorchide, vor, in seinem Buch "Islam ist Barmherzigkeit" nur freundliche Koranverse aufzuführen und die weniger schönen einfach zu übergehen.
Zitat:
Statt den Islam in seinen Denkmodellen differenziert zu betrachten, reihe er freundliche Koran-Verse aneinander und übergehe die „unfreundlichen“.

Zitat:

Tillschneider fragt, ob sich die frühere Gesetzesreligion Islam jetzt zu einer Rundum-Wohlfühl-Religion entwickele, „ganz den Bedürfnissen des Menschen zugewandt, uninteressiert am Buchstaben, überströmend von Liebe und billiger Gnade“? Khorchide jedenfalls fehlten Begründungen oder der Anschluss an die Denktraditionen seines Forschungszweiges. Ein Teil der Wissenschaft folge eher den Befindlichkeiten der Islamverbände. Statt „süßlicher Prosa und hölzernem Fundamentalismus“ bedürfe es aber Begründungen, die an die Wurzeln islamischer Tradition und moderner Theologie gingen.

http://www.pro-medienmagazin.de/?id=gesellschaft&news[action]=detail&news[id]=6712

Ich muss Tillschneider da Recht geben: die Islamwissenschaften sind an den Universitäten häufig sehr einseitig besetzt, so dass ein völlig falsches Islam-Bild entsteht (überwiegend in Richtung "Islam ist Frieden"). Eine wirklich wissenschaftliche Betrachtungsweise ohne Voreingenommenheit und unter Berücksichtigung aller Aspekte wäre dringend von Nöten.

Zutreffend auch die Forderungen Tillschneiders an den Islam:
Zitat:
Wichtig ist aus Sicht des FAZ-Gastautors Tillschneider, dass sich der Islam von politisch-rechtlichen Ansprüchen trenne und sich gründlich säkularisiere. Er müsse sich auch von den Teilen des islamischen Rechts lossagen, die mit dem deutschen Recht kollidierten.

http://www.pro-medienmagazin.de/?id=gesellschaft&news[action]=detail&news[id]=6712

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Lotte

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BEChakotay




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BeitragVerfasst am: 07.06.2013 23:51    Re: Tillschneider: Kritik an den Islamwissenschaften Antworten mit ZitatNach oben

« Lotte » hat folgendes geschrieben:

Zitat:

Ein Teil der Wissenschaft folge eher den Befindlichkeiten der Islamverbände.



Und damit delegitimiert sich jede "Wissenschaft"! Echte Wissenschaft schert sich nicht um "Befindlichkeiten". Denn nichts bremst Wissenschaft so sehr aus, wie eben diese Befindlichkeiten.
Ich kann Herrn Tillschneider mit seiner Infragestellung der Seriösität moderner Islamwissenschaften absolut folgen.

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Amavida






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BeitragVerfasst am: 08.06.2013 00:16    Re: Tillschneider: Kritik an den Islamwissenschaften Antworten mit ZitatNach oben

« Lotte » hat folgendes geschrieben:
Der Islamwissenschaftler Dr. Hans-Thomas Tillschneider hat kritisiert, wie die Islamwissenschaften an manchen Universitäten ausgerichtet sind.

So wirft er unter anderem dem Inhaber des Lehrstuhls in Münster, Mouchanad Khorchide, vor, in seinem Buch "Islam ist Barmherzigkeit" nur freundliche Koranverse aufzuführen und die weniger schönen einfach zu übergehen.


Mir scheint, er hat sich für seine Kritik den falschen Mann und den falschen Lehrstuhl ausgesucht.

Ist denn Khorchide überhaupt Islamwissenschaftler? Ich habe keinen Hinweis darauf finden können. Gemäß Wikipedia hat er zunächst Soziologie studiert. Währenddessen:

Zitat:

Neben seinem Erststudium begann er ein Fernstudium. Er flog einige Jahre lang regelmäßig für ein paar Wochen nach Beirut, wo er den Abschluss in islamischer Theologie machte.


Anscheinend hingen Fernstudium und Beirut-Aufenthalte miteinander zusammen. Dann hat er also ein Fernstudium in islamischer Theologie absolviert, aber keines der Islamwissenschaften (im westlichen Sinn). Seither hat er anscheinend auch nur im Rahmen der islamischen Theologie gearbeitet:

Zitat:

Seit 1989 lebte er in Wien. Von Dezember 2006 bis September 2008 war er Universitätsassistent an der Forschungseinheit Islamische Religionspädagogik an der Universität Wien. Seit 2007 war er Lehrbeauftragter für den privaten Studiengang für das Lehramt für Islamische Religion an Pflichtschulen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Mouhanad_Khorchide

In Münster ist er Inhaber eines Lehrstuhls im ZIT:

Zitat:

Das Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster wurde am 1. Oktober 2011 als universitäre Einrichtung bekenntnisorientierter Islamischer Theologie und Islamischer Religionspädagogik gegründet. Damit ist das ZIT Münster die einzige islamisch-theologische akademische Institution im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Durch eine fachliche Auseinandersetzung mit Fragen zur Religion des Islams deckt das ZIT den wachsenden gesellschaftlichen Bedarf an eigenständiger Islamischer Theologie in Deutschland ab.

http://www.uni-muenster.de/ZIT/

(Alle Hervorhebungen von mir.)

Khorchide unterrichtet also islamische Theologie, nicht Islamwissenschaft, wenn auch dieses ZIT dem "Institut für Arabistik und Islamwissenschaft" in irgendeiner Weise angegliedert zu sein scheint.

Tillschneiders Kritik an ihm läuft also ins Leere, aber sein Irrtum ist von dieser Konstruktion her verständlich. Wenn sogar dem Professor der Islamwissenschaften beides durcheinander gerät, wie sollen dann andere - Fachfremde - den Unterschied bemerken? Man hätte meiner Meinung nach diese beiden Institute von vornherein nicht miteinander verquicken dürfen. Nun leidet der Ruf der deutschen Islamwissenschaft darunter.

Aber zurück zu Khorchide: Ich nehme mal an, dass er als Theologe ruhig nach Gusto herumfabulieren kann, was er als Islamwissenschaftler selbstverständlich nicht machen dürfte. Und natürlich ist seine Barmherzigkeitstheologie ein Hirngespinst und niemandem, der die Quellen kennt, vermittelbar.

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BEChakotay




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BeitragVerfasst am: 08.06.2013 00:27    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

« Amavida » hat folgendes geschrieben:
Und natürlich ist seine Barmherzigkeitstheologie ein Hirngespinst und niemandem, der die Quellen kennt, vermittelbar.

Wie man sieht, kennen nur Wenige die Quellen. Und somit erkennen nur Wenige dieses Hirngespinst.

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Lotte




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BeitragVerfasst am: 08.06.2013 07:14    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

@Amavida: ja, du hast recht. Aber gerade Dr. Tillschneider weiß um den Unterschied zwischen Islamwissenschaften und islamischer Theologie - denn er war immerhin einer der Islamwissenschaftler, die sich in einer offenen Stellungnahme für eine klare Trennung der beiden Disziplinen "Islamwissenschaften" und "islamische Theologie" ausgesprochen haben:
http://www.dmg-web.de/pdf/Stellungnahme_Islamstudien.pdf

Er weiß also durchaus um den Unterschied. Und hat sich schon früher damit beschäftigt - auch in einem Artikel in der FAZ:
http://www.seiten.faz-archiv.de/faz/20130201/fd1201302013774720.html
(Der Artikel kostet leider und ich habe ihn deshalb noch nicht gelesen)

Also muss die Zielsetzung seiner Kritik, wie ich annehme, woanders liegen.
Und wenn ich ihn richtig verstanden habe, geht es eher darum, dass er eine Auseinandersetzung mit den kritischen Punkten auch innerhalb der islamischen Theologie für unabdinglich in Hinsicht auf eine Reformierung des Islams hält. Diese wurde in den letzten Jahren an mehreren deutschen Universitäten situiert.

Amavida schrieb:
Zitat:
Aber zurück zu Khorchide: Ich nehme mal an, dass er als Theologe ruhig nach Gusto herumfabulieren kann, was er als Islamwissenschaftler selbstverständlich nicht machen dürfte.


Und das ist hier die Frage: kann/darf er das bzw. sollte er das dürfen? Sollte islamische Theologie an deutschen Universitäten einseitig unterrichtet werden? Immerhin werden hier diejenigen ausgebildet, die künftig den Islam in Deutschland in Moscheen und an Schulen lehren. Ist es für das Land sinnvoll hinsichtlich der notwenidgen Reformation des Islams, hier auf die Auseinandersetzung mit den kritischen Punkten in der islamischen Quellenliteratur und Tradition zu verzichten?

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Amavida






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BeitragVerfasst am: 08.06.2013 10:32    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

« Lotte » hat folgendes geschrieben:
@Amavida: ja, du hast recht. Aber gerade Dr. Tillschneider weiß um den Unterschied zwischen Islamwissenschaften und islamischer Theologie - denn er war immerhin einer der Islamwissenschaftler, die sich in einer offenen Stellungnahme für eine klare Trennung der beiden Disziplinen "Islamwissenschaften" und "islamische Theologie" ausgesprochen haben:
http://www.dmg-web.de/pdf/Stellungnahme_Islamstudien.pdf

Er weiß also durchaus um den Unterschied.


In der Tat. Ich wusste nicht, dass er Mitunterzeichner war.

Zitat:

Also muss die Zielsetzung seiner Kritik, wie ich annehme, woanders liegen.
Und wenn ich ihn richtig verstanden habe, geht es eher darum, dass er eine Auseinandersetzung mit den kritischen Punkten auch innerhalb der islamischen Theologie für unabdinglich in Hinsicht auf eine Reformierung des Islams hält.


Stimmt, das hat er ja - mit Khorchide gewissermaßen als Aufhänger - laut dem zuerst von Dir verlinkten Artikel auch getan. Aber dann kommt, was für mich die Verquickung von Islamwissenschaft und islamischer Theologie war. Beim neuerlichen Lesen sehe ich aber, dass er das offenbar anders gemeint hat als ich es aufgefasst habe:

Zitat:

Tillschneider fragt, ob sich die frühere Gesetzesreligion Islam jetzt zu einer Rundum-Wohlfühl-Religion entwickele, „ganz den Bedürfnissen des Menschen zugewandt, uninteressiert am Buchstaben, überströmend von Liebe und billiger Gnade“? Khorchide jedenfalls fehlten Begründungen oder der Anschluss an die Denktraditionen seines Forschungszweiges. Ein Teil der Wissenschaft folge eher den Befindlichkeiten der Islamverbände. Statt „süßlicher Prosa und hölzernem Fundamentalismus“ bedürfe es aber Begründungen, die an die Wurzeln islamischer Tradition und moderner Theologie gingen.


"Ein Teil der Wissenschaft" - von welcher Wissenschaft? Das war nach meinem Verständnis die Islamwissenschaft. Aber klar, da "Wissenschaft" gleich auf Khorchides Forschungszweig kommt, meinte er damit anscheinend die islamische Theologie, nicht aber Islamwissenschaft. Wenn das so richtig ist, entfällt natürlich meine Kritik.

Nun ist Theologie für mich keine Wissenschaft - man möge mir den Irrtum daher verzeihen.


« Lotte » hat folgendes geschrieben:
« Amavida » hat folgendes geschrieben:

Aber zurück zu Khorchide: Ich nehme mal an, dass er als Theologe ruhig nach Gusto herumfabulieren kann, was er als Islamwissenschaftler selbstverständlich nicht machen dürfte.


Und das ist hier die Frage: kann/darf er das bzw. sollte er das dürfen?


Keine Ahnung. Für mich ist, wie gesagt, Theologie generell Fabuliererei.


Zitat:

Sollte islamische Theologie an deutschen Universitäten einseitig unterrichtet werden?


Am besten gar nicht, denn Theologie gehört nicht in eine wissenschaftliche Institution. Wink Wenn die Einseitigkeit auf Friedlichkeit und Grundgesetzkonformität hinausläuft, habe ich - unter diesem Vorbehalt - nichts dagegen. Das Problem ist nur, dass ein solcher Islam keine Grundlage in seinen Quellen hat und demzufolge zumindest von den Konservativen, also fast allen, nicht anerkannt wird. Hat man ja auch schon bei der Reaktion aus diesen Kreisen auf Khorchide gesehen. Ist also für die Katz.

Zitat:

Immerhin werden hier diejenigen ausgebildet, die künftig den Islam in Deutschland in Moscheen und an Schulen lehren. Ist es für das Land sinnvoll hinsichtlich der notwenidgen Reformation des Islams, hier auf die Auseinandersetzung mit den kritischen Punkten in der islamischen Quellenliteratur und Tradition zu verzichten?


Nein, ganz im Gegenteil, da hat Tillschneider natürlich völlig recht. In die Zukunft gedacht, fürchte ich allerdings, dass dabei nichts anderes herauskommen wird als Wissenschaft kontra Theologie mit unversöhnlichen Standpunkten.

Da hat man sich tüchtig etwas eingebrockt, nur damit die Kirchen ihren Einfluss mittels eigenem Religionsunterricht an öffentlichen Schulen behalten können!

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BeitragVerfasst am: 08.06.2013 14:16    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Zitat:
Nun ist Theologie für mich keine Wissenschaft - man möge mir den Irrtum daher verzeihen.


Für mich auch nicht, aber die Theologie wird an Universitäten gelehrt und hat so auf gewisse Weise einen wissenschaftlichen Touch bekommen.

Zitat:
Da hat man sich tüchtig etwas eingebrockt, nur damit die Kirchen ihren Einfluss mittels eigenem Religionsunterricht an öffentlichen Schulen behalten können!


Nun frage ich mich gerade, wie es bislang bei der christlichen Theologie an Universitäten und Hochschulen lief. Wurde die nur einseitig gelehrt? Und wer legt für die Lehre von Theologie den Rahmen fest bzw. die Studieninhalte. Wer stellt die Prüfungsordnungen? Sind das die Kirchen alleine oder auch noch andere Stellen?

Ich muss gestehen: davon habe ich keine Ahnung!

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BeitragVerfasst am: 08.06.2013 22:38    Re: Tillschneider: Kritik an den Islamwissenschaften Antworten mit ZitatNach oben

« BEChakotay » hat folgendes geschrieben:
« Lotte » hat folgendes geschrieben:

Zitat:

Ein Teil der Wissenschaft folge eher den Befindlichkeiten der Islamverbände.



Und damit delegitimiert sich jede "Wissenschaft"! Echte Wissenschaft schert sich nicht um "Befindlichkeiten". Denn nichts bremst Wissenschaft so sehr aus, wie eben diese Befindlichkeiten.
Ich kann Herrn Tillschneider mit seiner Infragestellung der Seriösität moderner Islamwissenschaften absolut folgen.


Ein aktuelles Beispiel für die Verquickung von "Islamwissenschaft" und "Befindlichkeiten" ist hier zu finden:

http://www.islam-deutschland.info/forum/viewtopic.php?p=249815#249815

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