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 Islam und Methodenlehre

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hellyeah





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BeitragVerfasst am: 28.07.2015 01:38    Islam und Methodenlehre Antworten mit ZitatNach oben

In "deutscher" Methodenlehre gelten folgende Grundsätze:

- Grammatikalisch: Es ist auf den Wortlaut abzustellen.
- Systematisch: Auslegung im Rahmen der Stellung der einzelnen Norm im Gesamt-Gefüge der Normen. Es gilt, widerspruchsfrei und sinnig (logisch) auszulegen.
- Historisch: Auslegung der Norm im Lichte ihrer Entwicklung (wie sah sie ggf. früher aus, was hat sich geändert) und unter Berücksichtigung des “Willens des Gesetzgebers”. Dies wird auch “genetisch” genannt.
- Teleologisch: Welchen Zweck verfolgt die Norm (heute)? Nicht nur auf den Willen des Gesetzgebers abstellen, das ist Teil der historischen Auslegung!
- Verfassungskonform: Einfaches Recht ist immer im Lichte der Grundrechte auszulegen
- Europarechtskonform: Einfaches Recht darf in seiner Auslegung nicht gegen Europa-Recht verstoßen


die Frage ist, welche Auslegungslehren/methoden gelten bzgl. islamischen/koranischen(?) (Sharia)Recht ...

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skyla




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BeitragVerfasst am: 28.07.2015 04:34    Re: Islam und Methodenlehre Antworten mit ZitatNach oben

« hellyeah » hat folgendes geschrieben:
die Frage ist, welche Auslegungslehren/methoden gelten bzgl. islamischen/koranischen(?) (Sharia)Recht ...


Hi, was die Methode der Auslegung im Islam und somit dem Koran angeht, gilt folgende Grundregel:

Ein Hadith darf dem Koran nicht widersprechen, tut er es doch, dann ist die Überlieferung falsch, und zu verwerfen. Der Koran hat aller oberste Priorität, wenn Koran und Hadithe sich widersprechen, so sind Muslime laut Koran verpflichtet dem Koran zu folgen, leider halten sich einige Muslime nicht dran und missachten den Koran, wie selber in einem Koranvers beschrieben ist:

"Und der Gesandte sagt: „O mein Herr, mein Volk mied diesen Quran unter Mißachtung.“ - 25:30

"Gott tadelt diejenigen, die einen Widerspruch zu den Lehren des Koran rechtfertigen und akzeptieren:

Und (wehe) dem, der, wenn er etwas von Unseren Zeichen kennenlernt, Spott damit treibt! Für solche (Sünder) ist eine schmähliche Strafe (vorgesehen). (45:9)

Dies sind die Verse Allahs, die Wir dir in Wahrheit verlesen. An welche Verkündigung wollen sie denn nach Allah und Seinen Versen (sonst) glauben? (45:6)"

http://www.meine-islam-reform.de/index.php/artikel/fiqh/734-das-toeten-von-apostaten-ein-widerspruch-zum-koran.html

Ganz wichtig auch: Im Koran steht außerdem an vielen Stellen drinne, dass der Prophet niemals gegen den Koran, also Gottes Wort handeln oder widersprechen würde und es auch nicht laut Koran darf und auch nie tat. Das wiederum bedeutet, dass ein echter wahrer Hadith, niemals dem Koran widersprechen würde, weil der Prophet laut Koran niemals dem Koran und somit Gottes Wort widersprechen würde und auch nie tat. Auch dazu Gibt es Belege aus dem Koran:

"Und Wir haben das Buch mit der Wahrheit zu dir herab gesandt, das bestätigt, was von der Schrift vor ihm da war und darüber Gewißheit gibt; richte also zwischen ihnen nach dem, was Allah herabgesandt hat und folge nicht ihren Neigungen, von der Wahrheit abzuweichen, die zu dir gekommen ist..." (5:48 )

Im Vers steht drinne: "..folge nicht ihren Neigungen, von der Wahrheit abzuweichen, die zu dir gekommen ist.." und "richte also zwischen ihnen nach dem, was Allah herabgesandt hat" Dem Prophet wurde nicht erlaubt vom Koran abzuweichen oder gar ihm zu widersprechen, der Prophet widersprach auch dem Koran nie. Aber um zu deiner Frage nochmal zurückzukommen: Wenn selbst der Prophet NICHT die Erlaubnis hatte, dem Koran zu widersprechen, so hat es laut Koran keiner auch danach. Wenn ein Hadith dem Koran widerspricht (was ein wahrer und echter Hadith laut Koran nicht tuen würde) dann wiegt das Wort Gottes viel stärker und Muslime sind laut Koran verpflichtet dem Koran zu folgen und den Hadith bei Seite zu legen, zu verwerfen.

Der Koran sagt, dass der Prophet, was Religiöse Fragen und Themen angeht nicht aus eigener Neigung, spricht:

"Bei dem Stern, wenn er sinkt! Nicht in die Irre geht euer Gefährte, und auch nicht einem Irrtum ist er erlegen, und er redet nicht aus (eigener) Neigung. Es ist nur eine Offenbarung, die eingegeben wird. (53 : 1-4)"

Es gibt viele solcher Verse wie oben, die klar zeigen, dass der Prophet nicht die Erlaubnis hatte dem Koran zu widersprechen und es auch nie tat. So oder so, Der Koran hat oberste Priorität, alles was dem Koran widerspricht muss abgelehnt werden, bzw. hat laut Koran keinen Platz im Islam. Angenommen der Prophet würde dem Koran widersprechen (was niemals der Fall war, aber mal nur angenommen), was bedeuten würde dass der Prophet Gott widersprechen würde, dann wäre immer noch das Wort Gottes das was zählt und alles was Gottes Wort, also dem Koran widerspricht müsste man laut Koran ablehnen:

"Und (wehe) dem, der, wenn er etwas von Unseren Zeichen kennenlernt, Spott damit treibt! Für solche (Sünder) ist eine schmähliche Strafe (vorgesehen)." (45:9)

"Dies sind die Verse Allahs, die Wir dir in Wahrheit verlesen. An welche Verkündigung wollen sie denn nach Allah und Seinen Versen (sonst) glauben?" (45:6)

Wenn der Koran z.b. sagt, dass man dem Propheten gehorchen oder folgen soll, dann ist dass nur so zuverstehen, dass der Prophet selber niemals dem Koran widersprechen würde und laut Koran auch nicht darf und nie tat:

"Bei dem Stern, wenn er sinkt! Nicht in die Irre geht euer Gefährte, und auch nicht einem Irrtum ist er erlegen, und er redet nicht aus (eigener) Neigung. Es ist nur eine Offenbarung, die eingegeben wird. (53 : 1-4)"

Das war soweit erstmal der Part was Hadithe und Koran angeht, wie man handeln muss, wenn ein Hadith dem Koran widersprechen sollte. Hadithe sind ja mündliche/schriftliche Überlieferungen, die unvollständig, Fehlerhaft, völlig frei erfunden/gefälscht sein können, erst nach dem Tot des Propheten hinzugedichtet worden sein können etc.. Deshalb gilt bei Hadithen Vorsicht, bzw. gewisse (Faust)Regeln zu beachten, die wichtigste habe ich eben erklärt, dass der Koran die oberste Priorität und somit immer das letzte Wort/Sagen hat.

Lg


Zuletzt bearbeitet von skyla am 28.07.2015 08:42, insgesamt 3-mal bearbeitet

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skyla




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BeitragVerfasst am: 28.07.2015 05:41    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Zitat:
- Systematisch: Auslegung im Rahmen der Stellung der einzelnen Norm im Gesamt-Gefüge der Normen. Es gilt, widerspruchsfrei und sinnig (logisch) auszulegen.


Außerdem habe ich die Beobachtung gemacht, dass sowohl manche Muslime, als auch vorallem nicht Muslime, z.b. welche die sich Islam Kritiker nennen, dass gewisse Menschen (absichtlich oder nicht absichtlich, beides kommt vor) den Kontext im Koran völlig außer acht lassen, z.b. in Form von Verse vorne und/oder hinten kastrieren oder auch zum Kontext dazugehörende Verse weglassen/wegblenden.

Es kommt z.b. im Koran vor, dass Ausnahmen oder weitere Erklärungen/Ausführungen zu einer bestimmten Sache/Frage gemacht werden und diese auf mehrere (oft darauffolgende) Verse unterteilt werden. Man kann sich das unteranderem als einen einzigen Satz vorstellen, welcher wie gesagt auf mehrere Verse verteilt/unterteilt wurde, diese Verse gehören jedoch zusammen und bilden den gesamt Kontext. Manchmal wird bei gewissen Übersetzungen des Korans in die deutsche Sprache, sogar in der deutschen Übersetzung korrekterweise ein Komma am Ende des Verses hingestellt, wenn ein Vers endet und der nächste anfängt, weil Verse teilweise nicht nur Kontextual zusammen gehören, sondern Verse zwingend grammatikalisch zusammengehören, weil sie alleine betrachtet grammatikalisch keinen Sinn ergeben und lediglich ein Satz auf 2 oder mehr Verse aufgeteilit worden ist (weshalb wie gesagt in gewissen Deutschen Übersetzungsversionen hier richtigerweise ein Komma hingestellt wird. Außerdem habe ich selber erleben dürfen wie selbst solche Verse von gewissen Leuten kastriert worden sind)

Wie allgemein bekannt sein dürfte, ist der Kontext eines Textes, dass A und O zum richtigen Verständnis eines Textes/Botschaft. Google sagt dazu:

"Kon-text
Substantiv [der]

1. umg.
der sprachliche oder außersprachliche Zusammenhang, in dem eine Äußerung vorkommt.
"Aus dem Kontext gerissen, erhält dieses Zitat eine völlig andere Bedeutung.

2.geh.
Zusammenhang.
"Man sollte diese Ereignisse im geschichtlichen Kontext betrachten.""

Quelle: Google.

Es gibt eine Aufforderung im Koran die so lautet:

“Sie sollten sich doch gründlich Gedanken über den Koran machen!”. (Koran 4:82)

Gründlich bedeutet hier in all seinen Facetten, sei es Kontext, Geschichtlichem Kontext (es gibt Verse die sich auf die Geschichte beziehen, also auf das Vergangene beziehen), aus wissenbschaftlichen Gesichtspunkten, etc.. und vielem mehr. Der Koran fordert also auf, all diese Dinge wie Kontext etc, zu beachten, eben gründlich zu sein, gründlich Gedanken zu machen.

“Wir haben es auf Arabisch offenbart, damit ihr es versteht”. (Koran 12:2)

Verstehen kann man einen Text nur richtig, indem man auch den Kontext beachtet. Hier wird also aufgerufen den Kontext zu beachten.

Zitat:
- Historisch: Auslegung der Norm im Lichte ihrer Entwicklung (wie sah sie ggf. früher aus, was hat sich geändert) und unter Berücksichtigung des “Willens des Gesetzgebers”. Dies wird auch “genetisch” genannt.


Google erwähnt außerdem, dass es noch sowas wie einen geschichtlichen Kontext gibt: "Man sollte diese Ereignisse im geschichtlichen Kontext betrachten.". Gewisse Verse wurden oft aus ganz bestimmten, zu damaligen geschichtlichen Ereignissen offenbart, ein kleines kurzes Beispiel, es kam vor dass Muslime z.b. vertrieben und angegriffen worden sind, man also Krieg gegen die Muslime führte, dass eine Armee anrückte und die Muslime auch dort zu vernichten, wo die Muslime Zuflucht gesucht hatten, zu solchen und ähnlichen Fällen wurden Verse gesandt, was den Muslimen erlaubt ist und was nicht, also welche Grenzen nicht überschritten werden sollten, was man manchen sollte etc.. z.b. die Frage, ob man weiter abhauen und sich verstecken sollte/Asyl/Zuflucht suchen sollte, oder ob man sich nun Selbstverteidigen durfte, wenn ja, wie und wie nicht etc..

Kurz gesagt, manche Verse wurden zu damaligen, ganz bestimmen Situationen gesandt, die sich damals ereignet haben. Leider wird von manchen Muslimen, aber vorallem auch von nicht Muslimen, (z.b. welche die sich Islam Kritiker nennen/einzuordnen sind), der geschichtliche Kontext ebenfalls weggelassen, nicht beachtet.

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skyla




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BeitragVerfasst am: 28.07.2015 06:46    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Zitat:
- Grammatikalisch: Es ist auf den Wortlaut abzustellen.


Jedes Wort im Koran wurde sehr genau und bewusst von Gott gewählt, die bewusste Feinheiten enthalten. Bei manchen Übersetzungen werden manchmal gewisse Wörter Falsch oder nicht ganz Optimal übersetzt und somit bewussst oder unbewusst Feinheiten oder gewisse Botschaften dem Leser nicht übermittelt. Deshalb nennt man Koranübersetzungen auch oft "Die ungefähre Bedeutung/Übersetzung in der deutschen Sprache".

Um ein berühmtes Beispiel zu geben, der Koran kennt und benutzt nirgends das Wort "Prophet", der Koran benutzt statt dessen die Wörter "Rasul" und "Nabi". Beides wird oft einfach als Prophet übersetzt, dabei haben beide Wörter völlig verschiedene Bedeutungen und Funktionen.

Die grammatikalisch Beachtung, wie etwas im Koran geschrieben steht, ist oft sehr wichtig zum Verständnis der Botschaft, kleine Fehler oder die nicht Beachtung der Feinheiten der original Grammatik des Korans können zu Fehlern führen, oft sind es nur kleine Details oder dergleichen die ausschlaggebend sein können. Wenn man den Vorteil hat den Koran im arabischen lesen und verstehen zu können, so hat man die Möglichkeit bei Übersetzungen von Versen die einem Zweifelhaft rüber kommen, selber im Original nachzuschauen, wie etwas grammatikalisch formuliert wurde und welche Fehler sich bei der Übersetzung eingeschlichen haben, oder welche Botschaften/Feinheiten in der Übersetzung nicht enthalten sind etc.. (das war z.b. für mich oft ein Vorteil im Original nachschauen zu können und nicht nur auf Übersetzungen angewießen/ausgeliefert zu sein) Außerdem gibt es z.b. Wörter die je nach Kontext ihre Bedeutung ändern, denn es gibt im arabischen Wörter die mehrere verschiedene Bedeutungen haben können und nur aus dem Kontext wird ersichtlich, welche Bedeutung genau das Wort hat. Aus solchen und ähnlichen Gründen stößt man immer wieder auf verschiedene Koranübersetzungen, die ein und das selbe Wort völlig anders Übersetzen, manche Übersetzungen beachten korrekterweise den Kontext und übersetzen ein Wort inhaltich richtig ins deutsche und andere Übersetzungen machen hier ein Fehler und beachten nicht den Hergang/Kontext und reduzieren ein Wort auf eine Inhaltiche Falsche Übersetzung, was leider zur Folge hat, dass Botschaften konstruiert werden, was im Koran nicht drinne. Falls du Beispiele dazu haben willst, kann ich dir gerne welche zeigen, sie gibt es sogar hie im Forum und ich habe mich dazu ausführlich geäußert, Diskussionen darüber geführt.

Zitat:
- Teleologisch: Welchen Zweck verfolgt die Norm (heute)? Nicht nur auf den Willen des Gesetzgebers abstellen, das ist Teil der historischen Auslegung!


Ich hätte da zwei Artikel unten, der interessant sein könnte, welches den "Geist des Korans" behandelt.

http://www.ahmedhulusi.org/de/articles/koran-lesen.html
http://www.ahmedhulusi.org/de/articles/geist-des-korans.html

Lg

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BEChakotay




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BeitragVerfasst am: 28.07.2015 13:21    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

« skyla » hat folgendes geschrieben:
Im Koran steht außerdem an vielen Stellen drinne, dass der Prophet niemals gegen den Koran, also Gottes Wort handeln oder widersprechen würde und es auch nicht laut Koran darf und auch nie tat. Das wiederum bedeutet, dass ein echter wahrer Hadith, niemals dem Koran widersprechen würde, weil der Prophet laut Koran niemals dem Koran und somit Gottes Wort widersprechen würde und auch nie tat. Auch dazu Gibt es Belege aus dem Koran: [...]

Schade. Diese "Beweisführung" (dass der Koran die Richtigkeit des Korans belegt) ist schon so oft als unsinnig widerlegt worden. Man kennt es auch als Zirkelschluss.

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BEChakotay




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BeitragVerfasst am: 28.07.2015 13:41    Re: Islam und Methodenlehre Antworten mit ZitatNach oben

« hellyeah » hat folgendes geschrieben:
die Frage ist, welche Auslegungslehren/methoden gelten bzgl. islamischen/koranischen(?) (Sharia)Recht ...


Da liegt bereits der Hase im Pfeffer. Sowohl in der EU- als auch im deutschen Rechtswesen gibt es eine klare Hierarchie der Rechtsnormen. Ein spezifisches islamisch/koranisches Schariarecht ist da nicht vorgesehen. Das hat hier lediglich (beschränkten!) Raum auf der ganz privaten Ebene (eines Moslems) und darf keineswegs normgebenden Charakter erreichen. Das ist ein wesentliches Prinzip des säkularen Staates. Leider wird dieses Prinzip schon seit einiger Zeit ausgehöhlt. Dieses Phänomen nennt man auch "Paralleljustiz".

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BeitragVerfasst am: 28.07.2015 19:03    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

« hellyeah » hat folgendes geschrieben:
die Frage ist, welche Auslegungslehren/methoden gelten bzgl. islamischen/koranischen(?) (Sharia)Recht ...


Willkommen hellyeah,
Ich hoffe, ich habe deine Frage richtig verstanden und meine Antwort hilft dir weiter.

Struktur der Sharia (Pfad zur Quelle, meist vereinfachend als isl. Recht bezeichnet)
1. Din / Aqida (DER Glaube)
2. Fiq (Einsicht/Weisheit; isl. Recht) Thema von Ulum ad-Din und Usul al Fiq (isl. Theologie bzw. isl. Rechts-Wissenschaft)

Ad 2. Fiq
Qur`an: Ilm al-Tafsir und Ilm al-Qira`a (behandeln traditionell richtige Auslegung der Suren und korrekte Rezitation der Suren)
Bei den Suren ist die sog. Abrogation zu beachten, dh. dass die jeweils jüngere Offenbarung zu einem Thema mehr Gewicht besitzt als eine ältere Sure.
Sunnah (DER Weg): gründet sich auf den Hadith und Sirah/Sirat (vom Qur`an unabhängige Schriftsammlungen).
In den Hadith (shiitisch 400 Usul) werden die Aussprüche Muhammeds überliefert, dessen Leben umfassend als vorbildlich gilt (funktional [Rechtsgrundlage] vergleichbar dem Talmud im Judentum, formal [Überlieferung] den Evangelien im Christentum). Unterschieden werden sog. starke und schwache Hadith - je nach Authentizität der Überlieferungskette.
Die weniger bedeutende Sirah/Sirat-Literatur überliefert Muhammeds Taten in Form unterschiedlicher Aufzeichnungen.
Das isl. Recht ist nicht eigentlich vom heutigen Verständnis her kodifiziertes Recht, als schriftliche Orientierung dienen Sunnah und die jeweils relevanten Suren des Qur`an (interpretiert auf Grundlage des Ilm al-Tafsir, Tafsirwissenschaft).
Idjtihad (Anstrengung): besteht aus
Idjma`a (Konsens einer Mehrheit von theologisch gebildeten Gläubigen, zB Tafsirgelehrte, Mudjtahid) und Qijas (Vergleich, Analogieschluss in der Rechtsprechung)
Wobei der Spruch gilt, dass die Tore des Idjtihad geschlossen sind.
Meint: es gibt keine kritische Exegese, angewandt werden nur tradierte Auslegungen früherer Autoritäten (etwa aus dem 9. Jh. oder 11. Jh etc.).
Eine wichtige Rechtsquelle bei den Sunniten, konkret den Shafiiten (einer der 4 anerkannten Rechtsschulen) ist Umdat as-Salik wa 'Uddat an-Nasik (Reliance of the Traveller and Tools of the Worshipper).


Die oben genannten Ulum ad-Din und Usul al-Fiq bilden die sog. islamischen Wissenschaften, davon unterschieden werden die Ulum al-Qudama, das sog. Wissen der Alten, womit das Wissen der spätantiken Welt, besonders jenes des hellenistischen Kulturraumes, gemeint ist. Aus dieser Tradition der antiken Denker leitet sich die Falsafa ab, die rationale Philosophie, die somit von den islamischen Wissenschaften unterschieden ist, und sich historisch auch nicht gegen diese durchsetzen konnte, tradiert wurde sie nur informell.
Für diese beiden gegensätzlichen Denkschulen stehen die Namen al-Ghazali und Ibn Rushd (ein Aristoteliker, Stichwort Averroismus, er bezog die aristotelische Logik mit ein, lehnte aber alles andere wie zB die aristotelische Methaphysik ab).
Letzterer blieb im Islam eine häretische Randfigur, Ghazali hingegen ist immer noch eine wichtige Autorität. Im Westen wurden beide Positionen im Rahmen des Universalienstreites (Scholastik) und Nominalismus überwunden (Glaube und Existenz Gottes wird nicht durch eine gleichberechtigte Logik rational zu begründen versucht, wie bei Rushd. Oder gar die Ratio nur untergeordnet im Dienst des Glaubens akzeptiert, wie bei Ghazali). Daraus ergab sich die Trennung von religiöser Doktrin und Wissenschaft in Europa, während im Islam der Grundsatz des Wahi gilt (Vgl. Tawhid): Einheit/Ganzheit von isl. Wissen, menschlicher Vernunft und göttl. Offenbarung. Erkenntnis außerhalb dieses Rahmens kommt nicht von Gott (Quelle echten Wissens) und ist daher verboten (Bid`ah). Bequemer Nebeneffekt ist, dass damit jedes erlaubte Wissen automatisch islamisch wird, und die Muslime rechtmäßige Träger:
Wissen ist göttlich > der Islam ist die einzige wahre Offenbarung > folglich ist jedes wahre Wissen islamisch
Darauf gründet sich auch der neuzeitl. Vorwurf, der judäochristliche Westen hätte sich unrechtmäßig Wissen angeeignet (gestohlen). Um so die technologische Rückständigkeit der isl. Welt zu erklären – als Verschwörung gegen den Islam.

Daneben gibt es noch Dinge wie Kalam (isl. Rhetorik), Adab (von D`ab, Sitte, Brauch -vorisl. Gewohnheitsrecht, erlaubt wenn im Einklang mit der Sunnah).
Erkenntnisse jeder Art die nicht mit der Sunnah im Einklang stehen gelten als bidah (verbotene Neuerung), das gilt für alltägliche Handlungen ebenso wie für das Rechtswesen und für jede Wissenschaft bzw Erkenntnistheorie.
Wie bereits erwähnt: Wenn es den Grundlagen des Islam zuwiderläuft, ist es keine Erkenntnis die aus göttlicher Quelle stammt, somit kann es dann nur vom Teufel kommen.

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hellyeah





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BeitragVerfasst am: 30.07.2015 02:20    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Ich nehme jetzt einfach einmal an, dass die wörtliche, nicht über den Wortsinn ausgehende, Auslegung, immer zutreffend ist. Unabhängig, welche Auslegungsformen separat/gleich angewendet werden sollen.

Zudem, dass die historische Auslegung ausscheidet, da der Koran "ewig" ist.

Die systematische Auslegung versagt, da die Suren nach der Länge nach geordnet sind.

Die teleolgische Auslegung (Sinn und Zweck der Norm) nicht angewendet werden können, da sie eine logische Entwicklung der Entstehung der Norm und des Zusammenhangs sind.

Bitte beachtet, dass ich hier allein auf den Text des Korans abstelle (Kanon 1920er Jahre).

p.s.: Ich bin mir bewusst, dass der Koran ein sog. "Rahmengesetz" enthält, in dem Mohammed als das perfekte Beispiel des Islams dargestellt wird und daraus die Sunna und Hadithen (sog. "case law") abgeleitet werden.

Die Gleichbedeutung des Koran mit dem Lebenslaufs Mohammeds ist hier kein Thema.


So bitte nur auf die Bedeutung des Korans eingehen. Vorallem in dem Zusammenhang, wie ihr den Koran lesen/verstehen würdet, wenn ihr ihn zum ersten Mal lesen würdet (z.B. im Jahr 632 a.D.).

Meine Unterstellung: Alle müssten zu dem selben Ergebnis kommen ...

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BeitragVerfasst am: 30.07.2015 13:19    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Tut mir leid, aber du begehst bereits im Ansatz einen Fehler.
Indem du die "deutsche" Methodenlehre auf den Islam bzw die Sharia anwendest.
Kann man natürlich machen.

Aber der Islam besitzt auch seine eigenständige historisch gewachsene Methodenlehre.
Was dann die Frage aufwirft: welche Herangehensweise gilt für wen und unter welchen Voraussetzungen?
Wissenschaftlich hat sich auch in den westlichen Religionswissenschaften jedenfalls die Historisch-Kritische Exegese als Standard etabliert.
Für alles andere: http://www.islam-deutschland.info/forum/viewtopic.php?p=264724#264724


PS. Kleiner Hinweis!
hellyeah: Die Gleichbedeutung des Koran mit dem Lebenslaufs Mohammeds ist hier kein Thema.

Du verwechselst den Quran mit den Ahadith und Sirah

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BeitragVerfasst am: 31.07.2015 02:16    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Ich danke Dir Smile

"der Islam besitzt eine eigene historisch gewachsene Methodenlehre"

der Islam kann nur duch den Islam entstehen ..

(quote:Auch den Islam muss man über seine Praxis, seine Geschichte, seine Wirklichkeit definieren (frei nach Wolf Biermann))


Klassiker:

https://de.wikipedia.org/wiki/Zirkelschluss


p.s.: danke, dass Du nicht auf meinen "post" eingegangen bist.

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BeitragVerfasst am: 31.07.2015 10:55    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Ein Zirkelschluss ist ein logischer Fehler.
Und eine unpassende Methodologie ist eine unpassende Methodologie.
Mathematik betreibt man auch nicht mit Hermeneutischen Methoden.

Weder sieht die Sharia eine "deutsche" Methodologie vor, noch das säkulare Rechtswesen die Sharia.

Wie schon einmal verlinkt (BEChakotay):
Sowohl in der EU- als auch im deutschen Rechtswesen gibt es eine klare Hierarchie der Rechtsnormen. Ein spezifisches islamisch/koranisches Schariarecht ist da nicht vorgesehen. Das hat hier lediglich (beschränkten!) Raum auf der ganz privaten Ebene (eines Moslems) und darf keineswegs normgebenden Charakter erreichen. Das ist ein wesentliches Prinzip des säkularen Staates. Leider wird dieses Prinzip schon seit einiger Zeit ausgehöhlt. Dieses Phänomen nennt man auch "Paralleljustiz".

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